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kastanien revisited

..die kastanie in der maximilliansanlage ist ein baum den auch die schildkroeten lieben. zumindest die eine die ihr mensch auf dem gepaecktraeger seines fahrrades in den park gebracht hat. er setzt sie unter ihrer krone auf den boden, hockt sich anschliessend auf den boden und lehnt seinen ruecken an ihren dicken stamm. die schildkroete ist flott unterwegs und doch so langsam, dass ihr mensch sie eine halbe stunde beim laufen beobachten kann ohne dass sie ausser sichtweite kommt. als sie dann bergab davonradeln, hat die schildkroete lockere 100 meter jogging hinter sich und freut sich sicher schon auf die leckere salatplatte zur tagesschau..

:: gepostet von reefer am 5.10.02 um 9:46 AM ::
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schneelage

..die frage ist fast in vergessenheit geraten, aber wer hat denn jetzt gekokst auf den reichstagstoiletten? ich sag jetzt mal joschka, rezzo und juergen, die gruene powderposse, lassen es ganz sicher gern mal schneien. christian schaut ab und zu mal rein und wenn er grade mal nicht beleidigt ist, kriegt auch guido ne nase. helmut laesst sich von otto das nasenbrett an den rolli schrauben und gerd, ganz staatsmann raucht seine cohibas con coca, die ihm fidel geschenkt hat. moelle, claudia und die durchgedrehte hertha fressen billiges speed in der cafeteria und gehen sich dann blamieren in der oeffentlichkeit..

:: gepostet von reefer am 3.10.02 um 1:19 PM ::
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geschaeftsideen

..wir machen aus der villa kunterbunt ein bordell. pippi ist die puffmutter und herr nilson poppt den kleinen onkel..

:: gepostet von reefer am 2.10.02 um 3:03 PM ::
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punk =>

vorurteile sind was für kinder, also kann man auch mal eine kostümchentragende rechtsanwalts- und notarsgehilfin daten und schauen was drinsteckt. start in einem langweiligen cafe, dann unterwegs zum klub - aber dummerweise hing da ein schild am wegesrand (punk =>). okay, abbiegen und direkt in die abgerockteste dreckigste wagenburg überhaupt reinstolpern. etwa hundert verfilzte besoffene bewohner, mindestens ebenso viele hunde, riesige lagerfeuer und punk-live-dämmbruä-dämmbruä-"musik".

die punks waren natürlich cool wie immer: "höhö, ihr seht ja komisch aus, sonst werden wir so begafft, wollt ihrn paar bier?". auch die reno-gehilfin hats trotz sichtlicher nervosität erstaunlich gut gemeistert, sogar fotos von trinkkumpanen gemacht und rundum nett konversiert. zugegeben, ist ja auch hardcore, so richtig overdressed im kostümchen mit pumps auf einer ranzigen punkwagenburgparty abzuhängen. eine stunde reichte dann auch.

richtig cool von ihr wäre dann gewesen, den spieß umzudrehen und das nächste date im fünf-sterne-restaurant zu platzieren. komischerweise hat sie aber seit dem abend nix mehr von sich hören lassen.


:: gepostet von boah am 1.10.02 um 2:26 PM ::
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und nun?

in meiner schmutzküche ist heimlich ein untermieter eingezogen: bernd, der mäuserich. eigentlich ganz cool von ihm, meinetwegen könnt er da stubenrein alt werden, in die bude scheissen läuft aber nicht.

eine mausetotfalle kostet onlinebestellt 4.60, eine mauselebendfalle 27.95 taler. ich frage euch, ihr moraluschen da draußen: soll bernd leben oder sterben?


:: gepostet von boah am 30.9.02 um 5:16 AM ::
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kastanien

..sie erfreuen uns jedes jahr aufs neue und niemand kann sich ihrer faszination entziehen. man greift nach ihnen wie wir es schon als kinder getan haben. sie haben keinen wirklichen wert und doch sind sie eine besondere sinnliche erfahrung. ihre dunkle eigenartig gluehende rotbraune farbe und das vergnuegen mit ihnen in der hosentasche zu spielen. die polierte oberflaeche mit den sanften unregelmaessigkeiten macht diese grossen nuesse zu wunderbaren handschmeichlern, die mit ihrer seidigen wachsoberflaeche die finger streicheln.

der baum der diese fruechte auf uns herabfallen laesst, ist unser begleiter ueber das jahr, mit der fruehlingsfreude die uns seine reiche bluetenpracht schenkt. der schatten den er uns in den gaerten spendet, mit seinen ueppigen blaettern, wenn wir erfrischung in der sommerhitze suchen. und im herbst wenn er zu seinen fuessen einen ueppigen teppich aus welken blaettern breitet, zieht er uns magisch an, in seinem lichten schatten zu weilen und die kuehle sonne der herbstlichen nachmittage zu geniessen. der winter schmueckt ihre kahle krone mit allen verzierungen, die er zu bieten hat. je nach laune mit glitzerndem rauhreif, leckeren schneebaisers oder eisiger zuckerglasur. werden die tage dann wieder laenger, warten wir ungeduldig bis sie ihre klebrigen knospen in die sonne streckt.

unter dieser praechtigen kastanie im park treffen sich lilli und ferdi zum ersten mal. ein ausgeschlafener 6 monate alter bordercollie und eine bildhuebsche, einen monat juengere senffarbene dogge, die ihn schon jetzt weit ueberragt. nach kurzem kennenlernen spielen die beiden miteinander, als ob sie sich schon lange kannten. sie legt sich auf den ruecken und laesst sich von ihm den bauch lecken, versucht ihn zu fangen, hat aber bei seinem angeborenen bewegungstalent und ihrer natuerlichen tapsigkeit keine chance ihn zu kriegen. waehrenddessen kommt sich auch ihre begleitung ein wenig naeher, behutsamer wie es den 2beinern so zueigen ist. sie hat die zigaretten und er das feuer, er bueckt sich und gibt ihr eine kastanie in die hand. mit einem laecheln im gesicht laesst sie die rotbraune frucht ihrer hand schmeicheln und strahlt in die herbstliche sonne.

inzwischen interessiert sich ferdi fuer unser spiel mit der scheibe und erweist sich trotz seiner jungen jahre schon als gut trainierter spieler mit grossem potential. noch ein wenig unsicher in der berechnung der scheibe, aber vorbildlich in ihrer handhabung. wie ein profi traegt er sie behutsam im maul und verwechselt sie nicht mit einem knochen wie es viele seiner kollegen tun, die das spiel nicht verstehen. lilli, der es ebenso geht laesst ihrem bewegungsdrang, mit der ihrer rasse eigenen ungelenken eleganz, freien lauf und stolpert bisweilen recht grazioes ueber ihre langen beine.

kamen sie aus verschiedenen richtungen, so gehen nach einer halben stunde 12 beine zusammen hinunter zum wasser, gerade so als ob sie das schon immer getan haben. ich hebe eine kastanie auf, drehe sie in der hand, spuere ihre leicht unebene, glatte kuehle und stecke sie zu den anderen in meine hosentasche..

:: gepostet von reefer am 29.9.02 um 11:09 AM ::
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Nachruf auf jemanden, der nicht gegangen ist

*** fragment 010 *******************************
Kadmon ist tot. Doch während Menschen meistens durch Leid aus der Welt scheiden, blieb es ihm vergönnt einen schmerzfreien Abschied zu nehmen. Denn nur ein Begriff stirbt, doch der Mensch lebt weiter. Irgendwann im Jahr 2001 erreichte mich eine Email, in der er mir mitteilte, daß er diesen Namen abzulegen gedenkt. Ich dachte gar nicht daran, da mitzuspielen. So mag es nicht verwundern, daß ich seine Briefe und Beiträge nach wie vor unter "K" archiviere. So wird es immer bleiben. Aber an seinem Entschluß wird das natürlich nichts ändern, denn von allen Künstlern, die ich kenne ist er der dickköpfigste und eigenwilligste. Manchmal zu seinem Nachteil, wie ich finde - doch im Zeitalter der en gros gezüchteten kollektiven Schwächen, darf das als eine Tugend angesehen werden.

Ich erinnere mich, wie ich ihn zum ersten mal traf. Es muß 1992 gewesen sein - ich erinnere mich nicht genau. Ich legte gerade in dem allerersten Backstage auf, das sich damals noch bei Fürstenried befand. Es war eines dieser typischen Gothic-Events, bei denen im Saal wieder mal Kleidung, Lack und Leder für mindestens eine viertel Million zusammenkam. Wir hatten als Veranstalter zu diesem Zeitpunkt angefangen, die typische Grabsteinromantik zu verdrängen, denn wir wollten etwas neues... Unsere Freundinnen trugen Latex-Kostüme und Highheels und schnallten sich Handschellen hinter den Gürtel. Für viele Altgardisten der Gothic-Szene war das unerhört, doch es war nicht aufzuhalten und fand schnell Anklang. So mag es nicht verwundern, daß es an diesem Abend eher aussah, wie auf einer S/M-Party, als auf einer "Dark Wave Night". Kadmon stand plötzlich vor mir (ich wußte von seiner Ankunft und kannte ihn schon länger durch Korrespondenz) und begrüßte mich mit diesem Lächeln, das sein Charisma ausmacht. Ich erinnere mich, daß er ein gewürzfarbenes Hemd mit vielen Mustern darauf trug und wie ein Ethnologe auf Urlaub wirkte. Wir hatten uns seit dem noch oft gesehen, doch immer verstand er es, den Eindruck eines Tatmenschen zu hinterlassen, der in einer Welt der Träumer und Konsumenten quer durch den Raum marschiert und auf der anderen Seite wieder verschwindet. Für eine gewisse Zeit.

Und dieser Eindruck war gar nicht so falsch. Mit dem Beginn der Neunziger fand in der s.g. Gothic Szene ein recht interessantes Phänomen statt, das absurd, undurchsichtig und faszinierend zu gleich war. Eine ganze Szene, die das halbe Jahrzehnt zuvor einen vollkommen diffusen Zustand mit einem Haarspray in der Hand lebte, bekam schlagartig Unterricht in rechtslastiger Avantgarde. Irgendwo, irgendwann muss sich jemand am Anfang dieses Prozesses für diese raren und wenig bekannten Platten begeistert haben und die Infektion verbreitete sich schnell. Plötzlich waren alle geradezu besessen von Death In June, Current 93, Sol Invictus und Sixth Comm. Sie waren fasziniert von Typen, die in ihrer angeblichen "Freizeit" Gummistiefeln trugen, Tarnkleidung und venezianische Masken, alberne Kinder-Tshirts und eine Menge Runen auf ihre Jacken nähten, zu denen der deutsche Verfassungsschutz ein höchst stiefväterliches Verhältnis hatte. Und das schlimmste davon: diese Menschen lasen Bücher. Ich möchte nicht weiter darauf eingehen, ob diese Leute die Bücher wirklich lasen, oder einfach nur Brocken aus den Buchklappentexten in ihre Lieder einstreuten. Wichtig ist nur zu wissen, daß eine ganze Szene plötzlich Nachhilfeunterricht in Sachen Baudelaire, Aleister Crowley, Jean Genet, Yukio Mishima oder Ernst Jünger erhielt. Plötzlich wußte jeder zweite von diesen Haarspray-Kids wer Ernst Röhm war und welches Unrecht ihm doch eigentlich geschah. Es war bisher die trashigste Ausbildungsmethode, die ich je erlebt habe. In dieser Zeit tauchte auch Kadmons Projekt "Allerseelen" in unseren Reihen auf und damit die berühmten "Aorta"-Hefte. Einzelne Aufsätze zu interessanten und der breiten Öffentlichkeit wenig bekannten Themen. Da ging es um Leni Riefenstahl (Ein Moment! Das kannten 1990 nur die wenigsten. Damals gab es noch keinen Rammstein-Chic!), um die Trommler im spanischen Kalanda, um den Gralsforscher und SS-Mann Otto Rahn, Codreanu und immer wieder der italienische Philosoph und Metaphysiker Julius Evola. Für wachere Augen war sofort klar, worin sich Kadmon von all den englischen Verschleierern unterschied: er war ein echter Forscher. Er las die Bücher zu Ende. Er verbrachte jedes Jahr viel Zeit in Spanien und Italien, er wollte die Mysterien schmecken und sehen und nicht einfach nur markante Slogans auf seine Platten drucken. Ich bin nicht immer seiner Meinung gewesen. Ich hatte manchmal das Gefühl, daß die Wahl seiner Freunde etwas unglücklich war, manche Sachen an seinen künstlerischen Beiträgen haben mich geradezu entsetzt. Aber was wichtig ist: er ist ein Tatmensch, ein Reisender. Und ich ziehe die Tatmenschen den Salon-Bolschewiken und Wochenendtrommlern stets vor. Er weiß von entfernten Orten und unbekannten Dingen zu berichten. Es genügt ihm nicht, einmal im Jahr vor Charlie Mansons Gefängnis zu demonstrieren oder von sich kernige Photos mit nordischem Einschlag zu produzieren. Aber vergessen wir nicht, Kadmon ist tot. Es bleibt abzuwarten, was die Rückkehr zum ursprünglichen Namen Gerhard mit sich bringt.

Kadmon... Ich glaube, ich hatte ihm einen so gelungenen Künstlernamen früher ein wenig geneidet. Es war ein stehender Begriff, es bedurfte keines Kommentars. Jetzt ist der Name wieder frei. Vieleicht sollte ich mich nun Kadmon nennen.
******************* komkon-2 :: aliogram closed ***

:: gepostet von aliosha am um 1:16 AM ::
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